Geschichte

Die Gründung 1878

 

Ein Großfeuer im Herbst 1878, aber auch die furchtbaren Erinnerungen an das große Brandunglück im Jahre 1866 dürften den Anlass zur Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr in Heuchelheim gegeben haben. Allein bei der Brandkatastrophe von 1866 wurden 264 Gebäude zerstört und 369 Bewohner obdachlos. Unter dem Vorsitz des Feuerwehrhauptmanns der Freiwilligen Feuerwehr Gießen, Rechtsanwalt Weidig, rief man zur Gründungsversammlung auf. Wie das Protokoll aussagt, ist am 18. November 1878 die Freiwillige Feuerwehr

Heuchelheim als ordentlicher Verein gegründet worden. Sicherlich hatte auch damals der Gemeindevorstand die Bemühungen zum Schutze der Bevölkerung gefördert, zumal die Pflichtfeuerwehr im Ernstfall nicht ausreichte und auf die Mithilfe anderer Männer angewiesen war. Zu jener Zeit gab es zwar schon Feuerspritzen, die jedoch alle von Hand bedient wurden und eine verhältnismäßig schwache Wasserleistung aufwiesen.

Die Jahre bis 1900

 

Bei Gründung der Wehr standen zwei Spritzen, eine 12 Jahre alte und eine um 1874 angeschaffte, sowie Leitern und zahlreiche Feuereimer als Löschgeräte zur Verfügung. Wegen ihrer größeren Mannschafts-stärke erhielt die Freiwillige Feuerwehr die neue Spritze, während die alte der Pflichtfeuerwehr blieb. Nachdem eine einsatzwillige Mannschaft bereitstand, gingen die Überlegungen nach Erweiterung der Ausrüstung. Die Großherzogliche Regierung gab im Jahre 1881 einen Zuschuss von eintausend Mark. Damit konnte endlich ein Wasserzubringer mit entsprechendem Schlauchmaterial angeschafft werden. Jetzt war es möglich, vom Bieberbach aus das Wasser nach fast allen Hofreiten des Dorfes zu pumpen und die Druckspritzen zu versorgen. Beträchtliches Schlauchmaterial großer Dimensionen und ein Schlauchwagen machten den Zubringer zu einem wichtigen Gerät, das sich auch bei auswärtigen Löschhilfen bewährte. Mit dem Bau der Wasserleitung im Jahre 1931 wurde der Zubringer überflüssig. Die Uniformierung der jungen Wehr war in der ersten Zeit recht dürftig und bestand aus einem einfachen Leinenkittel. Im Laufe der Jahre erhielten die Feuerwehrleute einen Rock aus hellgelbem festen Stoff mit Flanellfütterung. Als Kopfschutz diente ein Raupenhelm, der bei den Steigern aus Messing und den übrigen Wehrmännern aus Leder bestand. Eine Stiftung des Creditvereins ermöglichte es, zum 25-jährigen Bestehen schmucke, blaugraue Uniformröcke anzuschaffen. Im äußeren Erscheinungsbild konnte sich nun die Heuchelheimer Freiwillige Feuerwehr sehen lassen.

Neben dem Feuerwehrdienst pflegte die Wehr von Anfang an auch die Geselligkeit. Jedes Jahr fand am Gründungstag ein Familienabend statt, der sich damals Stiftungsfest nannte, und diese Tradition lebt im heutigen Wintervergnügen der Freiwilligen Feuerwehr weiter. Zum ersten Einsatz kam die junge Wehr im Jahre 1879, als ein Großbrand in Heuchelheim ausbrach. Im Protokollbuch ist eigenartigerweise darüber nichts zu lesen. Man vermerkt nur, dass 1890 die Wehr ihre erste Bewährungsprobe bei einem Brandeinsatz zu bestehen hatte. Die Ursache hierfür dürfte darin zu suchen sein, dass die außerdem bestehende Pflichtfeuerwehr kommandoführend beim Brandeinsatz war. Im Protokollbuch stehen deshalb auch bis 1890 nur vereinsinterne Eintragungen und keine Brandberichte, die aber nachher lückenlos geführt wurden, als man sich darüber einigte, das Kommando bei allen Brandeinsätzen dem Hauptmann der Freiwilligen Feuerwehr zu übertragen. Die Freiwillige Feuerwehr führte pro Jahr mindestens zehn Übungen durch, während die Pflichtfeuerwehr mit ihrer 20-Mann-Sollstärke nur eine Übung ansetzte. Das bedingte für die mannschaftsmäßig stärkere Freiwillige Feuerwehr mit durchweg 80 bis 90 aktiven Mitgliedern die größere Einsatzbereitschaft. Irgendwann um 1892 dürfte der Ausspruch: „In Heuchelem doa boannt’s alsemoal“ entstanden sein. Tatsächlich galt es eine Vielzahl von Bränden zu löschen, die dank der straff organisierten Freiwilligen Feuerwehr meist auf ihren Herd eingedämmt werden konnten. Leichtsinn, aber auch Brandstiftung durch einen Geistesgestörten haben mit dazu beigetragen, dass es in Heuchelheim mehr gebrannt hat als in den umliegenden Ortschaften. Ein so zweckmäßig gebautes, gut eingerichtetes und geräumiges Feuerwehrgerätehaus, wie es heute in Heuchelheim vorzufinden ist, gab es damals noch nicht. Die Löschgeräte waren im Backhaus in der Bachstraße, in der Kirchstraße im Straßenbereich der jetzigen Martinskirche und im Rathaus untergebracht. In der Brauhausstraße wurde 1891 das Spritzenhaus erweitert und sogar schon eine Aufhängevorrichtung zum Trocknen der Schläuche montiert. In dem neuen Raum war es auch möglich, einen weiteren Schlauchhaspel unterzubringen.

 

Die ersten 50 Jahre des 20. Jahrhunderts

 

Im Jahre 1912 gab es wieder einen Großbrand in Heuchelheim. Der Windhof, damals noch außerhalb des Dorfes gelegen, brannte vollkommen ab. Bei dem ansteigenden Gelände war es schwierig, Wasser bis an die Brandstelle heranzupumpen. Drei Tage waren die Männer der Freiwilligen Feuerwehr im Einsatz. Nach dem Ausbruch des 1. Weltkrieges wurden die wehrfähigen Männer eingezogen, womit die Feuerwehr den größten Teil ihrer Mannschaft verlor. Zur Ergänzung wurden ältere Leute wieder zum Feuerwehrdienst herangezogen. Glücklicherweise blieb unser Dorf während der Kriegsjahre von jeglichen Bränden verschont. In den Nachkriegsjahren konnte der Mannschaftsbestand wieder auf die erforderliche Höhe gebracht werden, vor allen Dingen durch den Beitritt junger Burschen. Die Ausrüstung mit Geräten wurde durch die Anschaffung einer Saug- und Druckspritze sowie einer mechanischen Leiter wesentlich verbessert. Der Bau eines neuen Gerätehauses gewährleistete eine zentrale Unterbringung der gesamten Gerätschaften. 1928 feierte man auf dem Geiersberg das 50-jährige Bestehen unter Beteiligung vieler auswärtiger Wehren. Der Bau der Wasserleitung ab 1929 erforderte eine Umgruppierung der Wehr. Die Spritzenmannschaften waren nicht überflüssig, aber doch in ihrer Bedeutung gemindert, da unsere Wasserleitung einen guten Druck hatte. Direkt vom Hydranten konnte das Wasser in die Strahlrohre geleitet werden. Die Ausbildung der Feuerwehrleute wurde den neuen Gegebenheiten angepasst. Bei einem Brand 1932 in der Nachbarschaft wäre das Gerätehaus beinahe ein Raub der Flammen geworden. Zu einem Großbrand musste die Wehr 1934 ausrücken. Das Sägewerk Abendstern stand in Flammen. Da die Wasserleitung noch nicht bis zum Abendstern verlegt war, musste Wasser aus dem Bieberbach auf beachtliche Entfernung bei Steigung bis an die Brandstelle gedrückt werden.

Festumzug 1954 in der Brauhausstraße

Festumzug 1954 in der Brauhausstraße

Der Wehr gelang es, nur das Wohnhaus und die großen Holzvorräte zu schützen. Im Jahre 1939 erhielt die Wehr ihre erste Motorspritze. Muskelkraft zum Wasserpumpen wurde jetzt  nicht mehr benötigt. Das neue Gerät erforderte aber zur Bedienung Fachleute, Männer, die mit Motoren umzugehen wussten. Der Landesfeuerwehrverband bildete die ersten Maschinisten aus. Die Technisierung im Feuerlöschwesen nahm ihren Lauf, in dieser Zeit allerdings schon auf den Luftschutz ausgerichtet. So erfolgte die Alarmierung nicht mehr durch Hornsignale, sondern durch eine Sirene, die auf dem Rathaus installiert war. Die Wehr erhielt neue blaue Uniformen und als Kopfschutz einen Stahlhelm. In diesen Jahren waren zwei Scheunenbrände zu bekämpfen, die aber dank der Motorspritze nicht weiter um sich greifen konnten. Der Ausbruch des 2. Weltkrieges 1939 machte es erforderlich, dass sich ältere Männer in den Feuerwehrdienst stellen mussten. Im Jahre 1942 konnte ein Vorspannwagen für die Motorspritze angeschafft werden. Hiermit war es möglich, die Bedienungsmannschaft mit der Motorspritze schnell an jede Brandstätte zu bringen. Flächenmäßig hatte sich Heuchelheim stark ausgedehnt. Damit bei einem Ausfall der Wasserleitung genügend Löschwasser verfügbar war, konnte durch ein Stausystem der Bieberbach unterhalb vom Mühlchen in das Kanal- system eingeleitet werden. Durch Stauungen in den Kanälen selbst wurde für viele abseits der Bieberbach gelegene Straßenzüge die Löschwasserversorgung sichergestellt. Im Jahre 1943 fand eine große Luftschutz- und Feuerwehrübung statt, um die Löschwasserversorgung durch das Kanalsystem zu erproben. An dieser Übung beteiligte sich auch die Werksfeuerwehr der Firma Schunk & Ebe. Hierbei konnte erstmalig das neue Schaumlöschgerät bewundert werden. Der Krieg mit seinen schrecklichen Luftangriffen machte auch vor den Toren Heuchelheims nicht halt. Am 6. Dezember 1944 musste die Wehr nach dem verheerenden Fliegerangriff auf Gießen dorthin zum Einsatz. Die Spritzen und Gerätschaften wurden jetzt nicht mehr zentral im Feuerwehrgerätehaus aufbewahrt, sondern an verschiedenen Stellen im Dorf untergebracht. Diese Maßnahme bewährte sich beim Fliegerangriff am 11. Dezember. Eine Bombe traf das Gerätehaus und legte es in Trümmer. Der Vorspannwagen war zerstört, die Spritze heilgeblieben. Sie wurde von beherzten Männern herausgeholt und kam sofort zum Einsatz. In der Bachstraße brannten viele Scheunen, von Brandbomben entzündet. In aufopfernder Weise beteiligten sich die Einwohner an den Löscharbeiten. Frauen halfen die Spritzen bedienen und bildeten Eimerketten zum Bieberbach, um Wasser herbeizuschaffen. Diese Bemühungen lohnten sich. Die Scheunen brannten zwar aus, doch an keinem einzigen Brandherd konnte das Feuer auf ein Wohnhaus übergreifen. Die Telefonleitungen waren zerstört, und bis Motorradfahrer aus den Nachbarorten Löschhilfe herbeiholen konnten, war die Hauptarbeit getan. Nachmittags standen insgesamt 11 Motorspritzen im Einsatz, um den Riesenbrand in der Fabrikanlage der Firma Rinn & Cloos zu bekämpfen. Noch tagelang schwelte das Feuer in den Tabaklagern, bis es endgültig abgelöscht werden konnte. Bewährt hatte sich wiederum das Kanalsystem, denn die Wasserleitungen waren durch die Fliegerbomben zerstört. In einigen Fällen musste sogar mit Jauche aus den Gruben der Bauernhöfe gelöscht werden. Noch wochenlang räumten Einwohner Trümmer beiseite und besserten die Wasserleitung aus.

Die Aktiven im Jubiläumsjahr 1966

Die Aktiven im Jubiläumsjahr 1966

Nach dem 2. Weltkrieg bis zum 100-jährigen Jubiläum

 

Nach dem Krieg war die Mannschaftsstärke der Feuerwehr sehr gering. Die erste konstituierende Zusammenkunft fand am 13. 11. 1945 statt. Viele Männer und auch heimkehrende Soldaten wollten keine Uniform und keinen Helm mehr tragen, auch nicht in der Feuerwehr, so dass für einige Zeit der Brandschutz mit einer Pflichtfeuerwehr gesichert werden musste. Erst ein Brand in dieser Zeit ließ die Notwendigkeit einer einsatzbereiten Wehr erkennen. Es folgten Beitrittserklärungen, so dass 1948 genügend aktive, vor allem jüngere Feuerwehrleute zur Verfügung standen. Inzwischen war auch wieder ein Vorspannwagen für die Motorspritze beschafft worden, denn in den Nachkriegswirren gingen sowohl das Feuerwehrauto als auch die Motorspritze verloren. Tatkräftige Mitglieder der Wehr brachten die Gerätschaften in Ordnung. Es gelang ihnen sogar, das Gerätehaus in Eigenhilfe wieder einigermaßen aufzubauen. Nach 1948 und der Stabilisierung unserer Währung sah sich die Gemeindeverwaltung in der Lage, mehr Mittel für die Ausrüstung der Wehr einzusetzen. So wurde zum 75-jährigen Bestehen ein neues modernes Löschfahrzeug übergeben. Anläßlich des Festes traten erstmals der neu gegründete Spielmannszug sowie der Musikzug in neuer Besetzung auf. Diese beiden Einrichtungen sind fortan feste Bestandteile der Feuerwehr geblieben. Um den Nachwuchs brauchte man sich keine Sorgen machen. Die älteren Mitglieder konnten ins 2. Glied zurücktreten, ohne dass die Schlagkraft der Wehr dadurch gefährdet wurde. Viele Einwohner schlossen sich in den nachfolgenden Jahren der Wehr als fördernde Mitglieder an. Das ist nicht zuletzt der Initiative eines Mannes zu verdanken, der in seiner Wirkungszeit als Ortsbrandmeister für die Wehr viel geleistet hat: Karl Weber, dessen Name mit der Weiterentwicklung der Heuchelheimer Feuerwehr wohl am engsten verknüpft ist. Die Wehr war jetzt eine der leistungsfähigsten im Kreis Gießen. Eine Veranstaltung besonderer Art war die „Woche der Feuerwehr“ vom 29. 8. bis 4. 9. 1966. Aus Anlass der hundertsten Wiederkehr des Tages der Brandkatastrophe von 1866 sollte demonstriert werden, dass eine solche Feuersbrunst heute nicht mehr geschehen kann. Eine einzige Motorspritze fördert mehr Wasser zum Brandherd als alle damals eingesetzten Handspritzen. Den Zuschauern wurde bei einer groß angelegten Schauübung die Zeit vor 100 Jahren mit den damaligen Löschgeräten vorgeführt und zum Vergleich gezeigt, wie man mit den heute zur Verfügung stehenden Geräten arbeiten kann. Im gleichen Jahr wurde die männliche Jugendfeuerwehr gegründet, nachdem man versucht hatte, die Jugend für den Selbstschutzgedanken zu gewinnen. Die jungen Menschen werden mit den technischen Einrichtungen vertraut gemacht und zeigen reges Interesse an ihren Aufgaben. Aus dieser gut funktionierenden Gruppe erhält die Freiwillige Feuerwehr einen verantwortungsbewußten Nachwuchs. Zum 90-jährigen Jubiläum im Jahre 1968 wurde die Jugendfeuerwehr zum ersten Mal vorgestellt. Acht Jahre später erfolgte die Gründung einer weiblichen Jugendfeuerwehr, die mit dem selben Eifer an ihre Aufgaben herangeht wie die männliche Jugend. In den darauffolgenden Jahren wird die Wehr mit neuzeitlichen technischen Einrichtungen wie Funksprechgeräten, schweren Atemschutzgeräten und anderen technischen Hilfsmitteln ausgerüstet. Die Gemeinde

Schauübung in der Brauhausstraße 1966

Schauübung in der Brauhausstraße 1966

beschließt 1970 die Anschaffung eines Leiterfahrzeuges vom Typ DL 30, vor allem erforderlich geworden durch höhere Gebäude in Heuchelheim. Das Fahrzeug wurde auch schon öfter von außerhalb zu Hilfe gerufen und in Gießen und anderen Nachbar-Gemeinden eingesetzt. Mit besonderem Stolz verfügt heute die Heuchelheimer Wehr über einen stets einsatzbereiten Fahrzeug- und Gerätepark, der vorbildlich untergebracht ist und regelmässig gewartet wird. Im Oktober 1977 wird der 2. Erweiterungsbau des Gerätehauses seiner Bestimmung übergeben. Damit hat die Freiwillige Feuerwehr Heuchelheim eine Unterkunft mit weiteren Fahrzeugeboxen sowie Unterrichts- und Sanitärräumen erhalten. Schulungen, Lehrgänge, aber auch gesellige Zusammenkünfte sind jetzt möglich geworden und haben nicht zuletzt einen förderlichen Einfluß auf das Vereinsleben. Größere Brände hat es in den letzten Jahren in Heuchelheim nicht mehr gegeben. Bei jedem Einsatz ist ein Übergreifen des Brandes verhindert worden. Die Wehr ist stolz darauf, bei Alarm nach zwei Minuten ausrücken zu können. Im Verlauf der Jahre hat eine gewisse Wandlung eingesetzt, die den Aufgabenbereich der Feuerwehren vom eigentlichen Brandschutz her weiter ausdehnt. Die Wehr ist jetzt eine allgemeine Hilfsorganisation geworden, die in unserer technisierten Zeit zu den vielfältigsten Katastrophenfällen gerufen werden kann. Die Neugliederung unserer Region führte unsere Freiwillige Feuerwehr 1977 in den Stadtverband  Lahn.

Die Jahre 1978 – 2002

 

Die Berichterstattung über die ersten 100 Jahre, die wir aus der Jubiläumsbroschüre 1978 übernommen haben, endet im Jahre 1978. Die im Rahmen einer Gebietsreform geschaffene Großstadt Lahn aus den Städten Gießen und Wetzlar sowie 15 weiteren Gemeinden, die von der Bevölkerung nicht angenommen wurde und demzufolge nach nur zweieinhalb Jahren wieder aufgelöst werden musste, brachte auch für die Feuerwehr in Heuchelheim Veränderungen mit sich. Denn für den Brandschutz ist nun einmal die Verwaltung der Gesamtstadt und nicht einzelne Ortsteile verantwortlich. Demzufolge war die Heuchelheimer Feuerwehr in dieser Zeit dem Stadtbrandinspektor unterstellt. Es spricht aber für den Stellenwert der Wehr, dass ein Repräsentant aus ihren Reihen, der spätere Ortsbrandmeister Erwin Germer, zum stellvertretenden Stadtbrandinspektor ernannt wurde. 1978 feierte man das 100-jährige Bestehen der Wehr auf dem Festplatz im Linn. Gleichzeitig waren wir Ausrichter des 1. Feuerwehr-Stadtverbandstages der Stadt Lahn. Das Fest fand in der gewohnt guten und harmonischen Atmosphäre statt, die man bei Heuchelheimer Jubiläumsfesten kennt. Im August 1979 war dann die Zeit der Stadt Lahn vorbei, Heuchelheim wurde wieder selbstständig. Mit Beginn des Jahres 1980 hatten wir wieder einen eigenen Ortsbrandmeister, den bisherigen stellvertretenden Stadtbrandinspektor Erwin Germer, der dieses Amt bis 1986 ausübte. 1981 wurde das erste moderne Löschfahrzeug der Heuchelheimer Feuerwehr nach 28 Jahren durch ein modernes LF 16 ersetzt. Dank der guten Pflege, die der Borgward B 2000 in all den Jahren genoss, konnte er noch bis zum Jahre 1997 als Gerätewagen bei der Werksfeuerwehr Schunk eingesetzt werden. Heute ist er wieder im Besitz der Freiwilligen Feuerwehr (siehe auch den Bericht auf Seite 58). Dreimal wurde im Jahre 1984 in Heuchelheim Hochwasseralarm ausgelöst, wobei sich das im Mai 1984 übergebene LF 8 auf Unimog-Fahrgestell mit erhöhter Watfähigkeit hervorragend bewährte. Mühlstraße, Brauhausstraße und Bachstraße standen unter Wasser und waren unpassierbar; zahlreiche Keller mussten ausgepumpt werden. In den darauffolgenden Jahren gab es einige große Einsätze wie z. B. bei der Mittelhessenschau in Gießen im Jahre 1987, dem Großbrand des Futon- Möbelhauses 1991, dem Großbrand im Sägewerk Rinn im Sanderweg 1996 sowie dem Wohnungsbrand in einem Mehrfamilienhaus in der Sudetenstraße, der leider auch Todesopfer forderte. Darüber hinaus musste die Feuerwehr bei zahlreichen Verkersunfällen Hilfe leisten, die je nach Schwere auch große Anforderungen an die Psyche der Einsatzkräfte stellten. Die Ausrüstung der Feuerwehr wurde ständig weiter verbessert. Neben den größeren Anschaffungen wie ein neues Tanklöschfahrzeug im Jahr 1991 und einem neuen Einsatzleitwagen mit moderner Kommunikationstechnik 1994 durch die Gemeinde und weiteren für den Brandschutz verantwortliche

Historisches Löschfahrzeug mit 1 PS (Schauübung 1978)

Historisches Löschfahrzeug mit 1 PS (Schauübung 1978)

Institutionen gab es auch eine Reihe von Investitionen durch den Verein Freiwillige Feuerwehr, die den gemeindlichen Brandschutz optimierten. Bauliche Änderungen sorgten dafür , dass das Heuchelheimer Feuerwehrhaus eine moderne und voll intakte Einsatzzentrale mit allen notwendigen Einrichtungen wurde, die jedem Vergleich mit größeren Feuerwehren standhält. Mehrere besondere Ereignisse und Einsätze in den letzten beiden Jahren verdienen hier noch eine zusätzliche Erwähnung. Da ist zum Ersten der Einsatz beim Maul- und Klauenseuche-Alarm in Biebertal und Wettenberg im Frühjahr 2001, der über einige Tage unsere Wehr mit Dekontaminierungsaufgaben an der Straßenkreuzung am Abendstern beschäftigte. Bei einer groß angelegten Suchaktion über zwei Tage nach einem vermissten Mädchen aus Biebertal wurden zusammen mit Polizeikräften und vielen Nachbarwehren die Gemarkungen von Biebertal und Wettenberg abgesucht. Von großer Bedeutung für die Wehr war die Ersatzbeschaffung für die Drehleiter, die nach 32 Jahren nicht mehr den Sicherheitsbestimmungen entsprach. Im Rahmen einer interkommunalen Zusammenarbeit mit der Stadt Gießen wurde eine Möglichkeit gefunden, damit auch in Zukunft die Heuchelheimer Feuerwehr über eine Drehleiter verfügen und einen optimalen Brandschutz für unsere Gemeinde garantieren kann. So wird sie auch bei Hilfeersuchen aus den Nachbargemeinden ihrem Ruf als hervorragend ausgerüstete und ausgebildete Wehr gerecht. Und als weiteres herausragendes Ereignis ist der Hochwassereinsatz an Elbe und Mulde zu vermelden, wo eine örtliche Einsatzgruppe aktiv vor Ort tätig war. Daneben waren in Heuchelheim neben vielen anderen freiwilligen Helfern zahlreiche Kameradinnen und Kameraden mit der Herstellung von Quickdamm-Elementen beschäftigt, die ebenfalls in den neuen Bundesländern zum Einsatz kamen. Abschließend sprechen wir die Hoffnung aus, dass auch künftig durch die Investitionsbereitschaft der Gemeinde und der anderen für die Ausrüstung der Feuerwehren zuständigen Institutionen der technische Standard erhalten und weiterentwickelt wird. Und wir hoffen, dass es dem Verein Freiwillige Feuerwehr gelingt, auch in Zukunft junge Menschen für den Dienst am Bürger und der Gesellschaft zu gewinnen. Beides muss einander ergänzen, denn bei einer nicht zeitgemäßen Ausrüstung werden sich kaum junge Menschen begeistern lassen. Wenn dies gelingt, dann können wir uns auch weiterhin auf einen umfassenden Brand- und Katastrophenschutz verlassen.

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